Es gibt besondere Anlässe im Leben eines Mitglieds der Kirche, bei denen Priestertumsträger heilige Handlungen an ihm vollziehen oder ihm einen besonderen Segen geben. Dieser Priestertumssegen wird oft von einem Mitglied der Familie oder von jemandem gegeben, der demjenigen, der gesegnet werden soll, nahe steht.
Dem Kind wird kurz nach seiner Geburt ein besonderer Segen erteilt, in dem sein Name bekannt gegeben wird und segensreiche Worte für sein weiteres Leben auf Erden gesprochen werden. Diesen Segen gibt jemand, der das Priestertum trägt; oft ist es der Vater des Kindes oder ein anderer, der Familie nahestehender, Priestertumsträger. Normalerweise findet die Segnung in einer Abendmahlversammlung am ersten Sonntag des Monats statt.
Der Herr gebietet, dass jeder Mensch sich von jemandem taufen lassen muss, der die Priestertumsvollmacht besitzt; dies gilt für Kinder ab acht Jahren und für Erwachsene, die sich dazu entschlossen haben, der Kirche beizutreten. Der Taufgottesdienst findet normalerweise im Beisein von Freunden und Familienmitgliedern in einem Gemeindehaus, in dem es ein Taufbecken gibt, statt.
In der Kirche gibt es ein Laienpriestertum, also keine Berufsgeistlichen. Ein würdiger junger Mann kann zum Aaronischen Priestertum ordiniert werden, wenn er 12 Jahre alt ist, und zum Melchisedekischen Priestertum, wenn er 18 Jahre alt ist. Für gewöhnlich sind die Familienmitglieder bei der Ordinierung zugegen. Tritt ein erwachsener Mann der Kirche bei, kann er das Priestertum empfangen, sobald er dazu bereit ist, Segnungen und Pflichten dieses Amtes auf sich zu nehmen.
Wie zur Zeit des Neuen Testamentes kann der Kranke einen Priestertumsträger um einen besonderen Segen bitten (Jakobus 5:14). Der Kranke wird dabei zunächst gesalbt, indem ihm ein paar Tropfen Olivenöl, das eigens für Krankensegnungen geweiht wurde, aufs Haupt gegeben werden. Danach legen Priestertumsträger die Hände auf und siegeln (bestätigen) die Salbung. Daraufhin sprechen sie mit der Vollmacht des Priestertums einen Segen aus. Ob ein solcher Segen in Erfüllung geht, hängt allerdings stets vom Willen Gottes ab.
Die Mitglieder der Kirche versammeln ihre Familie ein mal wöchentlich - normalerweise montags -, um einander zu unterweisen oder etwas gemeinsam zu unternehmen. Die Familie soll diese Zeit nutzen, um einander näher zu kommen.
Für die Mitglieder der Kirche ist der Sonntag der Sabbat bzw. der Tag des Herrn - an ihm wird Gott verehrt, und die Arbeit ruht. Nach dem Gottesdienst verbringt man den Rest des Tages in aller Ruhe daheim oder man besucht Freunde oder Verwandte oder tut Gutes.
Eine Mission wird im Allgemeinen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren absolviert. Aber auch wer sich im Ruhestand befindet, kann eine Mission erfüllen. Bevor ein Missionar in sein Dienstgebiet reist, spricht er in einer Abendmahlversammlung über Lehren und Grundsätze des Evangeliums. Dabei sind auch seine Familie und seine Freunde zugegen. Da es keine bezahlten Geistlichen gibt, wird der anderthalb bis zwei Jahre dauernden Dienst von den Missionaren selbst oder von ihrer Familie finanziert. Wenn ein Missionar von seiner Mission zurückkehrt, berichtet er in einem Gottesdienst über seine Erfahrungen. Auch an dieser Versammlung nehmen Familie und Freunde teil.
Bei einer im Tempel vollzogener Eheschließung sind nur wenige Gäste zu der eigentlichen Trauung im Tempel zugelassen. Bei ihnen handelt es sich um Mitglieder der Kirche, die berechtigt sind, den Tempel zu betreten. Die übrigen Gäste schließen sich der Hochzeitsgesellschaft vor dem Tempel an. Am Abend der Hochzeit oder auch später findet - je nach Landessitte - ein Empfang oder eine Feier statt.
Bei den Heiligen der Letzten Tage geht eine Beerdigung ganz ähnlich wie bei anderen Christen vonstatten. Die Feier wird in der Regel vom Bischof geleitet und kann auch in einem Gemeindehaus stattfinden. Da der Glaube besagt, dass die Familie nach diesem Leben wieder vereint ist, sind Beerdigungen von Hoffnung und Zuversicht geprägt. Je nach Landessitte und Familientradition werden Blumen mitgebracht.