Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Von Mensch zu Mensch - 14. Juni 2009

Von: Howard Collett, Chefautor und -produzent bei den LDS Philantrophies

Eine Mission aus Mitgefühl - Mitglieder der Kirche beteiligen sich

Foto von Howard Collett, LDS Philanthropies
Die pensionierte OP-Schwester Joyce Stewart (mit schwarzem Namensschild) assistiert bei der Gaumenspaltenoperation an einem 15 Monate alten Mädchen aus der Dominikanischen Republik. Sie und andere ehrenamtliche Helfer aus der Kirche nehmen an Bord des Lazarettschiffs USNS Comfort an einer Expedition teil. Sie bringen Hilfsbedürftigen in sieben Ländern medizinische Hilfe.

Foto von Ron Taylor
Die USNS Comfort, ein Lazarettschiff der US-Marine, beherbergt 800 Passagiere, die ehrenamtlich an einer viermonatigen Expedition teilnehmen. Sie leisten in sieben Ländern in der Karibik und in Süd- und Mittelamerika dringend benötigte medizinische Hilfe.

Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von Katie Money
Katie Money aus Ogden/Utah arbeitet sonst als Krankenschwester auf einer Neugeborenen-Intensivstation. Hier besucht sie eine jugendliche Patientin aus Haiti nach einer Kropfoperation auf der Intensivstation.

Foto von Howard Collett
Rachel Morrell, die jüngste Helferin in der Gruppe, hält nach einer Gaumenspaltenoperation ein 15 Monate altes Mädchen im Arm.

Foto von Howard Collett
Im Rahmen der humanitären Mission „Operation Continuing Promise 2009“ [Operation „Stete Hoffnung“ 2009] werden die von der Kirche gespendeten Hilfsgüter mit einem Hubschrauber zu einem Hilfslazarettschiff transportiert.

Foto von Howard Collett
Die Krankenschwester Laura Young aus Honeyville (Utah) beschäftigt zwei junge Schwestern aus der Dominikanischen Republik in der Nacht vor der Operation. Beide sind mit einem Leistenbruch geboren worden.

Veröffentlichung der Karte mit freundlicher Genehmigung der US-Marine
Die Operation Continuing Promise 2009 [stete Hoffnung] ist eine humanitäre Mission mit dem Ziel, medizinische, zahnärztliche, tierärztliche und technische Dienste zu leisten und sieben Ländern in der Karibik und in Süd- und Mittelamerika dringend benötigte medizinische Hilfe zu bringen.

Das Bild, das sich uns an der Südküste der Dominikanischen Republik bietet, hätte direkt aus einem Reiseführer stammen können: azurblaues Wasser, von Palmen gesäumte Wege und Schäfchenwolken an einem strahlend blauen Himmel. Als wir an der Küste um eine Ecke biegen, erhaschen wir einen Blick auf unser Zuhause für die nächsten paar Tage – ein großes weißes Schiff, das ungefähr eine Meile vom Land entfernt in der Sonne glitzert. Es ist jedoch kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Lazarettschiff der US-Marine, die USNS Comfort. Seine 800 Passagiere befinden sich auf einer viermonatigen Expedition: Sie bringen in sieben Länder der Karibik sowie Süd- und Mittelamerikas dringend benötigte medizinische Hilfe.

„Die Operation Continuing Promise [stete Hoffnung] 2009 ist eine Mission für humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe. Wir leisten in den Ländern, die wir anlaufen, medizinische, zahnärztliche, tierärztliche und technische Dienste sowie Aufklärungsarbeit“, erläutert Commodore Bob Lineberry, der Leiter der Mission. „Diese Mission liegt sowohl den Vereinigten Staaten als auch unseren ehrenamtlichen Helfern und unseren Partnern von den privaten Hilfswerken sehr am Herzen.“

„Als Kirche beteiligen wir uns gern an diesem Gemeinschaftsprojekt, das so vielen Menschen in Not zugutekommt“, so Lynn A. Samsel, Leiter der Katastrophenhilfe der Kirche. „Die Mitglieder, die als ehrenamtliche Helfer ihre Zeit opfern, sind dankbar, dass sie bei diesem Projekt mit anderen Hand in Hand arbeiten können. Es ist für sie eine prägende Erfahrung. Aber auch die Menschen, um die sie sich bemühen, profitieren sehr davon.“

Eine Mission mit vielen Facetten

Die Mission bietet der Kirche die einzigartige Gelegenheit, mit anderen humanitären Einrichtungen und den Gesundheitsministerien der sieben Länder, die besucht werden, zusammenzuarbeiten. Bei den 650 medizinischen Fachkräften an Bord handelt es sich um 600 Marinesoldaten und Reservisten sowie um 50 ehrenamtlich tätige Zivilisten. Beinahe ein Drittel der Zivilisten sind Mitglied der Kirche. Sie verlassen einen Monat oder länger ihren Arbeitsplatz und ihre Familie, um bei der Mission dabei zu sein. Kehrt einer der ehrenamtlichen Helfer wieder nach Hause zurück, wird er nach dem Rotationsprinzip durch einen anderen ersetzt. Insgesamt sind so über 40 Mitglieder der Kirche beteiligt.

„Das Leben an Bord der USNS Comfort ist anders als alles, was ich bisher erlebt habe“, erzählt Jenna Rix aus Bountiful in Utah, die das LDS Business College besucht. „Mein schwimmendes Zuhause für diese vier Monate ist so groß wie ein 10-stöckiges Gebäude. Es ist drei Footballfelder lang und eines breit. Es sind 800 Menschen an Bord. Die Angehörigen der verschiedenen Militärgattungen und Hilfswerke und die Ärzte aus aller Welt verbreiten eine ganz eigene, interessante Dynamik.“

Jennas Betätigungsfeld hat nichts mit Medizin zu tun, findet aber dennoch große Beachtung: Sie gehört zum Stab des Schiffsgeistlichen. „Ich betrachte es nicht als leichte Aufgabe, für das geistige und seelische Wohl aller Besatzungsmitglieder mit zuständig zu sein“, sagt sie. „Ich bete jeden Morgen darum, dass ich zu denen geführt werde, die vielleicht meine Hilfe brauchen.“

„Als wir an Bord gingen, wurde uns auf einmal bewusst, dass das medizinische Personal in dieser Zusammensetzung ja noch nie zusammengearbeitet hatte“, berichtet Janet Tanner, eine Pflegedienst- und Hospizkrankenschwester aus Brigham City (Utah). „Bei den Landgängen arbeitete ich mit fünf Frauen aus fünf verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten zusammen, die alle auf einem anderen Fachgebiet spezialisiert waren. Es ist wunderbar, wie wir alle an einem Strang gezogen haben, um hier in Mittelamerika zu helfen.“

Während der viermonatigen Mission werden schätzungsweise 90.000 Menschen medizinisch behandelt und 3.000 operiert. Jeden Tag der Woche werden die Teams der medizinischen Helfer mit einem Boot, das 40 Personen fasst, vom Schiff an Land gebracht. Dort richten sie in Schulen oder Gemeindezentren provisorische Kliniken ein und bieten Menschen, die es sich sonst nicht leisten könnten, eine zahnärztliche oder anderweitige medizinische Behandlung an. Auch tierärztliche Hilfe gehört zum Programm. Patienten, die operiert werden müssen, werden mit einem der beiden Bordhubschrauber aufs Schiff geflogen.

Die Beteiligung der Mitglieder

 

Die Kirche wurde nur wenige Wochen, bevor das Schiff aus Miami auslief, darüber informiert, dass sie sich an der Mission beteiligen konnte. So hatten die ehrenamtlichen Helfer nur wenig Zeit, sich vorzubereiten.
„Der Herr wollte ganz bestimmt, dass dieses Projekt ein Erfolg wird! Das sieht man daran, wie alles zustande kam, an der Zahl der Helfer und wie rasch sie sich meldeten“, meint Dr. Susan Puls, eine Ärztin aus Eden/Utah, die als Koordinatorin für die von der Kirche gestellten medizinischen Helfer zuständig ist. „Ich sagte: ‚Wir finden doch nie jemanden im Gesundheitswesen, der einen Monat Urlaub nehmen kann‘ und musste mich mehr als hundert Mal eines Besseren belehren lassen. Das ist eine großartige Gelegenheit, gemeinsam mit der US-Marine Menschen in einem anderen Land zu dienen und mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen wir sonst nie zusammenkommen würden.“
Schon die erste Gruppe Mitglieder, die sich für die Mission meldete, war bunt gemischt. Ein 19-jähriger Techniker war ebenso dabei wie eine pensionierte OP-Schwester. Jeder fand große Freude an der Aufgabe.

„Ich hatte gerade einen Krankenpflegekurs abgeschlossen“, erzählt Rachel Morrell aus Eden/Utah. „Es schüchtert einen schon ziemlich ein, wenn man das jüngste Mitglied der Gruppe ist und dann die geballte Fachkompetenz an Bord sieht. Aber alle hatten unglaublich viel Geduld und nahmen mich gerne an die Hand. Ich arbeite sehr gern auf der Aufwachstation und nehme Kinder nach der OP in Empfang. Man kann spüren, wie dankbar sie dafür sind, dass wir uns so viel Mühe um sie geben. Gott hat mich auf so vielfältige Weise gesegnet, dass ich dachte, es wäre doch toll, hierher zu kommen und Menschen Hoffnung zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.“

„Als ich in Rente ging, dachte ich erst, jetzt geht es ruhiger zu, aber dann gab es doch zu viele Abenteuer, die ich erleben wollte“, sagt Joyce Stewart aus Orem in Utah. „Ganz oben auf meiner Liste stand eine Mission, und so wurde ich als Missionskrankenschwester nach Fidschi berufen. Die Operation Continuing Promise war ein weiteres Abenteuer und eine neue Chance, zu dienen. Als Missionarin im Kirchendienst kann ich mit wundervollen Menschen zusammenarbeiten und die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern erleben, die das Evangelium mit sich bringt.“

„In der Dominikanischen Republik dolmetschten 25 Vollzeitmissionare für die Ärzte und die übrigen Gesundheitsfachleute, die in einer Klinik an Land arbeiteten“, berichtet Bennie Lilly, der für die Wohlfahrtsarbeit der Kirche in der Karibik zuständige Leiter. „Auch einheimische Mitglieder halfen mit und leisteten fast 600 Stunden Dienst.“

Wichtige Hilfsgüter

Der humanitäre Dienst der Kirche stellte für die Mission zehn Lastwagenladungen mit medizinischen Bedarfsartikeln, Waschzeug, Schulmaterial und Nahrungsmitteln bereit. Sobald das Schiff vor einem Land vor Anker geht, wird ein Teil dieser und anderer Hilfsgüter mit dem Hubschrauber an Land geflogen und dort an die Hilfsbedürftigen verteilt.
Angela Berrett aus Salt Lake City, eine Krankenschwester in der Notaufnahme, ging in Haiti an Land, als Empfänger der Hilfsgüter mit Vertretern von Spenderorganisationen zusammenkamen.

„Ich traf ein Ehepaar, das den Betrieb einer Grundschule unterstützt.
 Von ihnen erfuhr ich, dass die Kinder ohne die gespendeten Nahrungsmittel, Spielsachen und Körperpflegeprodukte gar nichts hätten! Wenn ich so etwas höre, möchte ich mein Leben lang helfen. Ich weiß nicht, wie ich nach Hause gehen, im eigenen Haus leben, ein Auto und alles haben kann, was ich mir nur wünsche, wenn es doch auch Menschen gibt, die selbst für eine einzige Mahlzeit am Tag betteln müssen.“

Daryl Olschewski, ein Therapeut für Atemwegserkrankungen aus West Valley City in Utah, rückt es ins richtige Licht: „Hoffnung bringt man nicht durch eine Spritze oder eine Kiste Medikamente“, sagt er. „Sie geht von den Menschen aus, die das mitbringen. Man könnte viel über diejenigen sagen, die selbst mit anpacken, wie auch über diejenigen, die Spenden an den Fonds für humanitäre Hilfe leisten. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn diese beiden Gruppen wie in einer Symbiose zusammenarbeiten zum Wohle derer, die einer Verbesserung ihrer Lage entgegenfiebern.“

Fachkompetenz und Fürsorge

Was die Mission auch so einzigartig macht, ist das hohe Niveau an Fachkompetenz gepaart mit christlicher Nächstenliebe, das die ehrenamtlichen Helfer der Kirche mit an Bord bringen.

„Wir konnten Hoffnung wecken, wo es keine mehr gab, und die Augen der Menschen zum Leuchten bringen“, sagt Katie Money, die als Krankenschwester auf einer Neugeborenen-Intensivstation in Ogden/Utah tätig ist. „Das stimmt mich demütig und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit für alles, was ich habe. Es weckt in mir den Wunsch, erneut und noch mehr zu helfen. Manche sagen, man kann nicht alle Probleme lösen – aber wenn man bei jemandem eine entscheidende Veränderung erreichen kann, ändert sich für ihn doch alles.“

„Mich hat kaum etwas, was ich in meinem Leben angefangen habe, so zufrieden gemacht“, findet Dawn Walker, eine ehrenamtliche Helferin aus Pleasant Grove in Utah. „Mit diesem Schiff bringt man den Menschen ein besseres Leben. Die Behandlungen helfen den Menschen, dass sie wieder sehen, gehen oder ihre Hände benutzen können. Da war ein kleiner Junge, dessen Hand verbrannt und ganz verkrümmt war, und sie machten sie ihm wieder beweglich. Jetzt kann er seine Hand wieder benutzen. Es war einfach schön, wie er sich freute.“

„Ich erinnere mich an einen 9-jährigen Jungen, der an grauem Star erkrankt war“, berichtet Rob Voynow, ein staatlich geprüfter Krankenpfleger aus Union in Washington. „Als die Operation vorbei war und man die Binden abnahm, konnte er zum ersten Mal im Leben seine Mutter sehen. Eine völlig neue Welt eröffnete sich ihm. Er rannte herum, entdeckte überall etwas Neues und wollte wissen, was es war und was für eine Farbe es hatte. Für ihn war alles, was wir morgens beim Aufstehen für selbstverständlich halten, völlig neu.“

„Wenn ich wieder in den USA und am Arbeitsplatz bin, stelle ich meine Arbeitsweise komplett um“, erklärt Sloane Smith, eine Krankenschwester in der Notaufnahme aus Orem/Utah. „Ich weiß nun ganz genau, wie eine Krankheit verläuft, wenn man sich nicht um sie kümmern kann, beispielsweise unbehandelter Brustkrebs oder eine ausufernde Parasiteninfektion. Meine Einstellung dazu, Probleme frühzeitig abzustellen, hat sich geändert. Meine Einstellung dazu, was es heißt, andere zu versorgen, ist jetzt auch eine andere. Der Schmerz, den ich bei den Menschen hier gesehen habe, hat mich sehr aufgewühlt. Ich bin jetzt einfühlsamer.“

„Jeder leistet einen Beitrag“, meint die Hebamme Sheryl Flanary aus Pleasant Grove in Utah. „Es ist frustrierend, wenn man in diese Länder reist und das Gefühl hat, nur ein Pflaster über die Wunde gelegt zu haben, aber wir haben auch vielen etwas beigebracht. Die Leute kommen auf uns zu und sagen: ‚Danke, dass ihr uns gezeigt habt, wie wir uns selbst helfen können‘ - und genau darum geht es ja: Wir verschaffen den Menschen ein wenig Linderung und lassen ihnen etwas Hoffnung zurück.“

„In Haiti wurde in einem Graben ein kleiner Junge gefunden“, erzählt die Krankenschwester Laura Young aus Honeyville/Utah. „Er war ausgesetzt worden. Er hatte 22 Knochenbrüche, von denen einige nicht richtig verheilt waren. Ein Missionarsehepaar einer anderen Kirche, bei dem er die letzten 14 Monate gewohnt hatte, brachte ihn zum Schiff. Wir mussten ihm den Oberschenkelknochen noch einmal brechen und ihn mit einer Edelstahlstange fixieren. Eines der Wunder, die sich dabei zutrugen, war, dass man ganz hinten in einem Schrank genau die passende Stange fand. Sie war einfach da; man hatte sie nicht speziell für diese Mission mitgenommen.“

Lieutenant Tim McCreary, Reservist beim U.S. Public Health Service und Mitglied der Kirche, fasst in Worte, was alle an Bord empfanden: „Man darf nicht einen Augenblick lang daran zweifeln, dass man etwas verändern kann. Man darf nie zweifeln. Auch wenn wir nicht alles Schlimme beseitigen können, bringen wir doch Hoffnung. Auf die Hoffnung kommt es an. Und es gibt keinen besseren Weg, diese Hoffnung weiterzugeben, als durch das Essen, das wir bringen, unsere Gegenwart, unsere Anteilnahme und die Liebe, die wir ausstrahlen.“